Im Besprechungsraum ist das WLAN schnell, im hinteren Büro ruckelt jede Videokonferenz, und der Drucker verschwindet ab und zu aus dem Netz. Der erste Griff geht dann oft zum Repeater. Besser ist es, zuerst die Ursache zu finden. Dafür reichen ein Smartphone, ein Netzwerkkabel und in einem kleinen Büro etwa eine halbe Stunde, und die ersten Maßnahmen kosten nur Zeit.
Warum ist das WLAN im Büro langsam?
Zuerst das Grundprinzip: Alle Geräte an einem Access Point teilen sich die Funkzeit, und auf einem Kanal kann immer nur ein Gerät gleichzeitig senden. Das BSI spricht von einem geteilten Medium. Die Geschwindigkeit auf dem Router-Karton ist ein theoretischer Summenwert für die ganze Funkzelle, kein Wert pro Gerät.
Der Router steht dort, wo die Leitung ankommt
Der Platz des Routers richtet sich meist nach dem Hausanschluss: Keller, Technikraum, Flurschrank. Für die Leitung ist das praktisch, für die Funkversorgung selten. Je weiter der Weg und je mehr Wände und Decken dazwischen liegen, desto schwächer kommt das Signal an; Router und Endgerät einigen sich dann auf eine langsamere Übertragung.
2,4, 5 oder 6 GHz: Reichweite gegen Platz
- 2,4 GHz reicht am weitesten und kommt am besten durch Wände und Decken. Das Band ist aber schmal: Die Bundesnetzagentur hat dafür den Bereich von 2400 bis 2483,5 MHz freigegeben. Darin überlappen sich die 13 Kanäle, bei 20 MHz Kanalbreite passen nur drei bis vier Netze störungsfrei nebeneinander. Auch Bluetooth-Geräte und Mikrowellengeräte strahlen in diesem Band.
- 5 GHz bietet mit zusammen 455 MHz ein Vielfaches an Platz und ist meist schneller, solange das Signal gut ankommt. Die Reichweite ist kürzer.
- 6 GHz ist in Deutschland seit 2021 für WLAN freigegeben, von 5,945 bis 6,425 GHz, also weitere 480 MHz. Das Band reicht noch etwas weniger weit und funktioniert nur mit Geräten ab Wi-Fi 6E.
Für das Büro heißt das: Notebooks und Telefone gehören ins 5-GHz-Band, 2,4 GHz bleibt für Geräte, die nichts anderes können.
Die Nachbarn funken auf demselben Kanal
In einem Bürohaus empfängt jedes Gerät auch die Netze der anderen Mieter. Liegen sie auf demselben oder einem überlappenden Kanal, teilen sich alle die Funkzeit. Einen Anspruch auf einen freien Kanal gibt es nicht: Die Bundesnetzagentur stellt in ihrer Allgemeinzuteilung klar, dass gegenseitige Beeinträchtigungen bei gemeinsamer Frequenznutzung hinzunehmen sind.
Zu viele Geräte an einem Access Point
Notebooks, private Telefone der Belegschaft, Drucker, Kartenterminal, Kameras: Über die Jahre kommen Geräte dazu, der Access Point bleibt derselbe, und jedes Gerät bekommt nur noch einen kleinen Anteil der Funkzeit. Ob Kameras überhaupt ins WLAN gehören, beantwortet unser Beitrag PoE- oder WLAN-Kamera.
Alte Geräte bremsen mit
Ein Gerät, das nur einen alten WLAN-Standard beherrscht oder am Rand der Reichweite hängt, überträgt langsam und belegt den Kanal entsprechend länger. So lange warten alle anderen. Manche Altgeräte kommen außerdem mit dem gemischten Sicherheitsmodus nicht zurecht, den die Umstellung auf WPA3 braucht.
Repeater halbieren den Durchsatz
Ein einfacher Repeater empfängt jedes Datenpaket und sendet es auf demselben Kanal noch einmal. Der Kanal ist doppelt belegt, die Datenrate sinkt auf höchstens die Hälfte, mit jedem weiteren Repeater noch stärker. Einem einzelnen Gerät am Ende des Flurs kann ein Repeater trotzdem helfen, weil die kürzere Funkstrecke schneller ist. Als Dauerlösung für ein Büro taugt er selten.
So messen Sie die WLAN-Abdeckung im Büro
Auch der IT-Grundschutz des BSI sieht vor, Leistung und Abdeckung eines WLANs regelmäßig zu messen. Für ein kleines Büro reichen drei Schritte:
- Die Leitung am Kabel prüfen. Schließen Sie ein Notebook per Netzwerkkabel direkt am Router an, schalten Sie am Notebook das WLAN aus und messen Sie zu einer ruhigen Zeit, etwa mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur. Ist schon dieser Wert zu niedrig, hilft kein Umbau im Funknetz. Ist er gut, liegt das Problem im WLAN, und das ist Ihr Bereich: Anbieter sind grundsätzlich nur bis zum Anschlusspunkt an der Wand zuständig.
- Alle Arbeitsplätze ablaufen. Installieren Sie eine kostenlose WLAN-Analyse-App auf dem Smartphone und notieren Sie an jedem Platz die Signalstärke Ihres Netzes. Sie wird in dBm angezeigt, also als negative Zahl; je näher an null, desto stärker. Ein Notebook mit einem Analyseprogramm tut es ebenso. Tragen Sie die Werte in einen Grundriss ein, dann sehen Sie die Funklöcher auf einen Blick.
- Kanäle und Geräte ansehen. Die App zeigt auch, auf welchen Kanälen die Nachbarn senden. In der Oberfläche des Routers sehen Sie, welche Geräte verbunden sind, bei vielen Modellen auch, in welchem Band. Ein altes Notebook im 2,4-GHz-Band oder ein vergessener Repeater fällt dabei schnell auf.
Die Lösungen, nach Kosten sortiert
- Router oder Access Point umstellen. Das Gerät gehört möglichst in die Mitte der Fläche und etwas erhöht, nicht in den Schrank und nicht auf den Boden. Das BSI verlangt, dass Access Points die benötigten Bereiche abdecken und möglichst nicht dorthin strahlen, wo niemand versorgt werden soll. Eine Ecke an der Außenwand leistet beides nicht.
- Kanal und Band einstellen. Wählen Sie im 2,4-GHz-Band den am wenigsten belegten der Kanäle 1, 6 und 11 und lassen Sie die Kanalbreite dort bei 20 MHz; ein 40-MHz-Kanal belegt die Hälfte des Bandes. Im 5-GHz-Band nehmen Sie einen Kanal, den kein Nachbar nutzt. Prüfen Sie außerdem, dass Geräte mit 5-GHz-Unterstützung auch im 5-GHz-Netz landen.
- Den Repeater über Kabel anbinden. Gibt es in der Nähe des Repeaters eine Netzwerkdose oder ein Kabel, verbinden Sie den zweiten Funkpunkt darüber statt per Funk; die doppelte Belegung des Kanals fällt dann weg. Dafür muss Ihr Gerät einen Netzwerkanschluss haben und sich als Access Point am Kabel betreiben lassen.
- Einen zweiten Access Point per Kabel setzen. Über PoE kommen Daten und Strom durch ein einziges Netzwerkkabel, gespeist zum Beispiel von einem PoE-fähigen Switch; eine Steckdose an der Decke ist nicht nötig. Beide Access Points erhalten denselben Netznamen und dasselbe Passwort, damit Geräte zum stärkeren wechseln können, aber unterschiedliche Kanäle, im 2,4-GHz-Band zum Beispiel 1 und 11. Ein Kabel entlang der Fußleiste oder im Kabelkanal reicht oft, Wände aufstemmen muss dafür niemand.
- Mesh mit Kabelverbindung. Mesh-Systeme lenken jedes Gerät zum stärksten Funkpunkt. Verbinden sich die Einheiten per Funk, kostet diese Verbindung Funkzeit, bei vielen Systemen auf einem eigenen 5-GHz-Kanal. Am besten arbeiten sie mit einem Kabel zu jeder Einheit. Systeme verschiedener Hersteller arbeiten in der Regel nicht zusammen.
Gäste und Geräte gehören in ein eigenes Netz
Kundschaft, Lieferanten und private Telefone haben im Firmennetz nichts zu suchen. Ein Gäste-WLAN ist in modernen Routern mit wenigen Handgriffen eingerichtet und vom übrigen Netz getrennt; ein Gast mit Schadsoftware auf dem Notebook kann Ihren Rechnern dann kaum schaden. Das BSI empfiehlt, auch unsichere smarte Geräte dort unterzubringen. Für Betriebe verlangt der IT-Grundschutz, dass das WLAN keine Sicherheitszonen koppelt, und empfiehlt, den Übergang ins interne Netz zum Beispiel mit einem Paketfilter abzusichern. Wo Kasse, Kameras und Büro getrennt laufen sollen, übernimmt das die Firewall; mehr dazu im Beitrag Firewall für kleine Unternehmen.
WPA3 oder WPA2: die richtigen Sicherheitseinstellungen
Schwächer als mit WPA2 sollte kein Netz mehr gesichert sein. Der IT-Grundschutz schließt ältere Verfahren aus, und das BSI rät, einen Router ohne WPA2 und WPA3 zu ersetzen. WPA3 schützt besser gegen das Durchprobieren von Passwörtern.
- WPA3, wenn alle Geräte es beherrschen. Im 6-GHz-Band ist es Pflicht.
- WPA2/WPA3 als Übergangsmodus, solange ältere Geräte im Netz sind. WPA3-fähige Geräte können sich dann mit WPA3 verbinden, ältere mit WPA2. Macht ein Altgerät in diesem Modus Probleme, ist ein eigenes WPA2-Netz nur für Altgeräte mit anderem Passwort sauberer als ein Rückschritt für alle.
- Passwort mit mindestens 20 zufälligen Zeichen, für das Gastnetz ein eigenes.
- Werkseinstellungen ändern: eigenes Passwort für die Router-Oberfläche, ein Netzname ohne Hinweis auf das Gerätemodell, Fernzugriff aus, automatische Updates an.
- WPS-PIN abschalten. Das PIN-Verfahren gilt als leicht angreifbar, und WPS arbeitet ohnehin nur mit WPA2.
Nach der Umstellung auf WPA3 müssen die gespeicherten WLAN-Verbindungen auf den Geräten gelöscht und neu eingerichtet werden. Ein Neustart reicht nicht.
Bemuar Technology aus Wolfsburg misst und verbessert bestehende Netzwerke in kleinen Betrieben, vom Standort des Routers über den Kanalplan bis zum zusätzlichen Access Point und zum getrennten Gastnetz. Ganze Gebäude neu zu verkabeln gehört nicht dazu. Mehr dazu auf der Seite Netzwerk und WLAN.
Häufige Fragen
Hilft ein stärkerer Router gegen schwaches WLAN?
Selten. Die Sendeleistung ist durch die Frequenzzuteilung der Bundesnetzagentur begrenzt, im 2,4-GHz-Band auf 100 Milliwatt Strahlungsleistung. Außerdem muss die Verbindung in beide Richtungen funktionieren: Notebook und Telefon senden mit ihrer eigenen Leistung zurück, daran ändert ein neuer Router nichts. Ein besserer Standort oder ein zweiter Access Point bringt mehr.
Soll ich das 2,4-GHz-Band abschalten?
Nein, solange Geräte im Betrieb nur 2,4 GHz beherrschen, denn nicht jedes WLAN-Gerät kann alle Frequenzbereiche. Sinnvoller ist, Notebooks und Telefone ins 5-GHz-Band zu bringen und 2,4 GHz sauber auf einem der Kanäle 1, 6 oder 11 zu betreiben.
Ist Mesh besser als ein Repeater?
Nur mit Kabel zwischen den Einheiten oder mit einem eigenen Funkkanal für diese Verbindung. Mesh-Einheiten, die sich auf demselben Kanal per Funk verbinden, haben dasselbe Grundproblem wie ein Repeater.
Quellen
- BSI: IT-Grundschutz-Baustein NET.2.1 WLAN-Betrieb (Edition 2023)
- BSI: Sicherheitstipps für privates und öffentliches WLAN
- BSI: WLAN, was man wissen sollte
- BSI: Schritt für Schritt zum Gäste-WLAN
- BSI: Wegweiser kompakt, 8 Tipps für ein sicheres Heimnetzwerk
- Bundesnetzagentur: Allgemeinzuteilung WLAN 2,4 GHz (Vfg. 128/2023)
- Bundesnetzagentur: Allgemeinzuteilung WLAN 5 GHz (Vfg. 136/2022)
- Bundesnetzagentur: WLAN-Nutzungen nun auch im 6-GHz-Bereich (14.07.2021)
- Breitbandmessung der Bundesnetzagentur: Fragen und Antworten
- Verbraucherzentrale: Internetanschluss zu langsam oder ausgefallen
- Bundesamt für Strahlenschutz: Drahtlose Anwendungen im Alltag
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- Elektronik-Kompendium: WPA3
- Elektronik-Kompendium: WPS
- Elektronik-Kompendium: Power over Ethernet
- Wi-Fi Alliance: WPA3 deployment options